Zwischen den Zeilen lesen

erstellt am: 25.01.2017 | von: Jörg Unkrig


Im Gespräch mit Kollegen, Ihrem Chef oder auch Freunden überkommen einen manchmal die Gedanken: „Meint mein Gegenüber es tatsächlich so, wie er es sagt?“ „Schwingt da nicht etwas mit?“ Wahrscheinlich kennen auch Sie solche Gedanken?!

Vier-Seiten-einer-Nachricht – Kennen heißt nicht automatisch Können!

In meinen Seminaren nehmen die „Vier-Seiten-einer-Nachricht“ genau aus diesem Grund einen wichtigen Anteil ein. Warum genau? Weil es sozusagen die Basis von Kommunikation ist. Der Empfänger macht eben die Nachricht, nicht der Sender. (auch wenn er/wir das immer denken). Informationen müssen nicht nur aufgenommen, sondern auch decodiert werden.
Häufig trauen wir in Gesprächen unserer Wahrnehmung eben nicht. War das gerade wirklich so gemeint? Habe ich das richtig verstanden? Was wollte man mir wirklich sagen? Welche Botschaften verstecken sich wirklich hinter dem Gesagten? Kann ich meinen Gesprächspartner vertrauen?

Doppelter Boden

Kommunikation hat manchmal etwas von Zauberei, von einer Schublade mit doppeltem Boden, denn manchmal hören wir etwas, dem wir aber misstrauen, wenn der Sender zusätzliche, anders deutbare nonverbale Signale sendet.
Beispiel: Ihr Chef lobt Sie, runzelt dabei aber die Stirn. Meint er das Lob ernst, denken Sie, oder hat er doch irgendetwas auszusetzen, sagt es aber nicht. Im Gespräch mit anderen senden wir eben nicht nur Sachinhalte, sondern auch immer nonverbale Informationen. Dadurch äußern wir auch immer Stimmungen und Gefühle. Jeder macht das so. Im Gespräch merken wir schnell, aber nicht immer, dass das Gesagte nicht mit der Mimik und Gestik unseres Gesprächspartners übereinstimmt. Das kann dann auch zu Verunsicherung führen und dazu, dass man – manchmal auch erst hinterher – versucht, zwischen den Zeilen des Gesagten zu lesen.

Zwei Seelen in der Brust

Friedemann Schulz von Thun spricht hier von einer „inkongruenten Nachricht“, also Inhalt und Verhalten passen nicht zusammen oder widersprechen sich sogar. Beim Sender schlagen in solchen Momenten quasi zwei Seelen in seiner Brust.
Im Englischen spricht man von „Double-Bind-Kommunikation“. Beispiel: Morgens fragen Sie jemanden, wie es ihr geht. Sie antwortet: „Vielen Dank, alles Bestens!“ An ihrem Gesicht erkennen Sie aber, dass dies nicht stimmt. Fahle Hautfarbe, Ringe unter den Augen, tränengerötete Augen, leise, traurige Stimme. Sie werden irritiert sein, da die verbale Aussage im Gegensatz zum Erscheinungsbild steht.

Geschichte von Kindesbeinen an

Generell sind solche Kommunikationsmuster nicht erheblich, da wir alle nach außen schonmal anders sprechen, als wir uns innen fühlen. Nicht jedem will man auch ehrlich mitteilen, dass es einem gerade nicht so gut geht.
Lernen wir allerdings von klein auf, dass wir nicht ehrlich kommunizieren dürfen oder uns unsere Bezugspersonen nicht ehrlich gegenübertreten, wird es schwierig aus der permanenten Double-Bind-Falle zu kommen.
So müssen auch Eltern lernen, ehrlich mit ihren Kindern zu sprechen und nicht eigene Wünsche oder Erwartungen auf das Kind zu projizieren.

Klar und verständlich kommunizieren

Wenn Sie selbst Sender sind, kommunizieren Sie offen, ehrlich und zu Ihren Gefühlen passend. Wenn Sie sich niedergeschlagen und krank fühlen, werden Sie kaum nach außen darstellen können, dass Sie nur so vor Kraft strotzen und sich gerade besonders toll fühlen.
Das bedeutet nicht, dass Sie jederzeit jedem Ihr Innerstes preisgeben müssen. Es bedeutet aber, dass Sie sich bewusst machen, das Ihr Gegenüber diese Divergenz zwischen dem, was Sie sagen und dem was Sie gerade zeigen, feststellen wird und irritiert ist. Er wird sich fragen, warum das so ist und so auch möglicherweise die falschen Schlüsse ziehen.
„Du, gerade ist mir nicht zum Reden.“ Oder „Lieb, dass du fragst, aber ich bin gerade in Gedanken ganz woanders.“ Oder auch. „Du merkst, ich bin heute nicht so aufmerksam. Lass‘ uns ein anderes Mal darüber sprechen.“ Solche Antworten kann jeder nachvollziehen und Sie in diesem Moment in Ruhe lassen.

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  1. Jörg Unkrig sagt:

    Welches Kommunikationsmodell halten Sie für wichtig? Woran merkt man bei Ihnen, dass man Sie gerade in Ruhe lassen sollte?

  2. Da hast du recht Jörg, ich unterscheide das aber auch noch in „situationsbedingte“ Aussagen. Ich arbeite im internationalen Bereich, da ist es z. B. ein Gebot der Höflichkeit, die Gegenseite als erstes zu fragen, wie es geht. Das gehört aber in die Kategorie „Smalltalk“, und so wird es auch betrachtet, also niemand erwartet eine ausführliche Antwort und schon gar nicht eine endlose Krankengeschichte. Nevertheless, muß man aber nicht sagen, daß es einem blendend geht, wenn es nicht so ist. es gibt da durchaus Abstufungen. Als unehrlich oder „sich nicht trauen“ würde ich das also nicht sehen.

    Innerhalb der Familie oder des Freundeskreises ist es noch etwas anders und ich finde schon, daß man sagen darf, daß es einem grade nicht so gut geht und man ein Thema lieber zu einem späteren Zeitpunkt besprechen möchte.

    Ich sage das übrigens auch. Aber ich bin auch der Überzeugung, daß man über alles sprechen kann mit dem nötigen Feingefühl und mir z. B. ist kein Thema fremd.

    1. Liebe Silvia,

      stimme dir zu, dass es Rahmen gibt und auch geben sollte, wo man alles sagen dürfen muss, zum Beispiel in der Partnerschaft. Das beinhaltet aber immer Respekt und Verständnis für einander, wann man was wie sagen kann und darf. Ziel darf nie sein, den anderen zu verletzen, nur damit ich selbst alles los geworden bin.

      Ein weiser Mann soll einmal sinngemäß gesagt haben: „Lasse alles was du sagst, durch drei Siebe laufen. 1. durch das Sieb der Notwendigkeit: Ist das, was ich anderen sage notwendig oder dient es nur rein meiner „Erleichterung“. 2. durch das Sieb der Wahrheit: Ist das, was ich sage wahr oder habe ich es nur von anderen gehört und gebe es ungeprüft weiter und 3. durch das Sieb des Nutzens: Nutzt das, was ich sage, dem anderen und bringt es ihn weiter.

      Danke für deine Ergänzung!

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