Reden Sie bloß oder kommunizieren Sie schon?

erstellt am: 09.04.2017 | von: Jörg Unkrig

Reden Sie noch oder kommunizieren Sie schon?

Sprache ist ein mächtiges Instrument, vielleicht sogar das MÄCHTIGSTE! Sie kann uns überzeugen, motivieren, demütigen, frustieren, manipulieren oder gar zerstören.
Nicht selten entscheidet ein einzelner Satz oder ein einzelnes Wort über unser Wohl und Wehe im Kontakt mit anderen. Und manchmal bringt das falsche Wort am falschen Ort uns beruflich aus dem Tritt und bedeutet EDEKA (Ende der Karriere). Warum, lesen Sie heute hier und auch, mit welcher Gegenstrategie Sie es besser machen können:

Das kleine Wörtchen „Aber“

Wirkung:

Kennen Sie die MIB (Men in Black)? In diesem Film besitzt Zukunftsagent Will Smith eine Waffe, die bei seinem Gegenüber die letzten erlebten Minuten auslöschen kann. Mit dem Wort „Aber“ haben Sie selbst genau so eine Waffe in der Hand….äh….im Mund. Häufig gebraucht in Meetings in Form von „Herr Meier, das ist ja interessant, aber…“. Dieses „aber“ löscht vieles von dem, was vorher gesagt wurde, egal wie positiv es war, aus. Im besten Fall funktioniert es als Weichspüler. Warum? Beim Gegenüber blinkt sofort eine Warnleuchte auf, die signalisiert: „Achtung, Angriff von vorn!“ Mein Gesprächspartner schaltet auf Ablehnung, ist frustiert und formuliert innerlich schon ein Gegenargument oder eine Erklärung. Egal was, aber die Aufmerksamkeit ist sofort weg. Zudem stecken wir häufige „Ja, aber“-Sager in die Schublade: Verhinderer, Querulanten oder Schwarzmaler. Sind Sie erstmal so eingestuft, können Sie sich direkt mal von Ihrer Karriere verabschieden.

Gegenstrategie:

Verabschieden Sie sich zunächst von der Redewendung „Ja, aber“. Zahlen Sie bei eigener Benutzung jedesmal 10 Euro in Ihr „Ja, aber“-Schwein (TUN SIE ES WIKLICH!). Das bedeutet noch nicht, dass Sie alles unwidersprochen hinnehmen müssen, wenn der Vorschlag Unsinn oder nicht gut ist. Seien Sie um sich selbst willen diplomatisch. Konkret: Sagen Sie: „Herr Meier, das ist ja interessant, nur sehe ich an folgenden Stellen Ihrer Ausführungen ein Risiko. Konkret meine ich,…. Lassen Sie uns im nächsten Schritt dazu noch einmal sprechen!“

Glauben ist nicht Wissen

Wirkung:

„Ich glaube, mit meinem Artikel zu Kommunikation werde ich Ihnen einiges Neues mitteilen können!“ „Glauben ist nicht wissen!“ wird unmittelbar beim Lesen bei Ihnen aufblitzen, das Weiterlesen wird Ihnen automatisch schwererfallen, Ihre Motivation dazu nachlassen. Experten nennen solche Einleitungen und Floskeln gerne „Weichspüler“ (auch: würde, wünsche, könnte). Ursprung ist häufig unsere innere Sorge, wir könnten in unseren Überlegungen etwas übersehen, nicht berücksichtigt haben oder es hätte sich ein Fehler eingeschlichen. Frauen neigen übrigens tendenziell eher zur Nutzung von (verbalen) Weichspülern und das nicht nur beim Wäschewaschen. Besteht ein innerer Zweifel an den eigenen Ausführungen, so teilen wir diesen meist selbst unserem Gegenüber mit. Worte sind da sehr verräterisch. Unser Gegenüber registriert solche Worte, zumindest unterbewusst, und schiebt Sie irgendwann in die Schublade „Unsicher, Inkompetent“.

Gegenstrategie:

Natürlich haben wir manchmal Zweifel, ob wir zu 100 Prozent richtig liegen mit dem, was wir da sagen. Geht allen so. Es geht auch nicht um „Selbstsicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“, sondern um ein professionelles Auftreten. Sie würden sich kaum zu einem Thema vor anderen Experten äußern, wenn Sie nicht zumindest ein wenig Ahnung vom Thema hätten. Zudem haben Sie sich gut vorbereitet und Ihren Vortrag mal jemandem gezeigt oder darüber gesprochen. Kennzeichnen Sie ganz konkret: „Ich bin der Meinung, dass….!“ oder „In meiner Vorbereitung auf das Thema heute, habe ich festgestellt, dass….!“ Das wirkt kompetent, nicht überheblich, lässt andere Meinungen trotzdem zu und strahlt Persönlichkeit, Standing und Sicherheit aus.

Tut Ihnen leid

Wirkung:

Satzeinleitungen wie „Es tut mir leid…“ machen direkt klein, sind meist nicht ganz ernst gemeint und werden gerade sehr inflationär benutzt. Wahrscheinlich auch, weil einige meiner Trainerkollegen gerade auf dem Trip sind, dass man sich am besten bereits im Vorfeld entschuldigen sollte, weil man es nicht allen Recht machen kann. What the fuck! Es jedem Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann! In der richtigen Situation und wenn es berechtigt ist, kann eine ernstgemeinte und ehrliche Entschuldigung Wunder wirken! Gehen Sie deshalb sparsam damit um. Zudem arbeiten Sie im Business nie mit „Leid“. Leid, auch Mitleid, erzeugt in professionellen Kontexten immer einen bitteren Nachgeschmack, manchmal erst viel später. Reiten Sie deshalb nicht die „Leid-Tour“, sondern überzeugen Sie mit Worten und Ihren Taten.

Gegenstrategie:

Wenn Sie keine Zeit für ein Gespräch haben, sagen Sie es einfach. Nicht „Es tut mir leid, ich habe jetzt ein Gespräch!“, sondern „Ich habe jetzt einen Termin. Ich nehme mir morgen Zeit für unser Gepräch.“ Das ist zielführend, wirkt souverän und wertschätzend.

Keine Ahnung

Wirkung:

Die Frage hat Sie eiskalt erwischt und erzeugt innerlich Stress. Den sieht man Ihnen dann auch noch äußerlich an. Sie beginnen zu schwitzen, Sie werden rot, der Hemd-/Blusenkragen wird enger. Merken Sie sich eins: Stress verengt deutlich unsere Handlungs- und Denkoptionen. Stress ist ein schlechter Ratgeber, aber in solchen Situationen normal. Erwischt zu werden (auch in der Ahnungslosigkeit), ist für keinen schön. Selbst für uns Profis nicht. Deshalb raten einige meiner Trainerkollegen, das Gegenüber bei schwierigen Verhandlungen unter Stress zu setzen, damit er/sie handlungseingeschränkter wird.

Gegenstrategie:

Entwarnung: Es ist normal, dass man mal auf dem falschen Fuß erwischt wird, gerade wenn Ihr Gegenüber dies bewusst im Vorfeld kalkuliert hat oder darauf abzielt. Jetzt heißt es, sich 1. etwas Luft verschaffen oder 2. mit entwaffender Ehrlichkeit zu reagieren.

Zu 1: „Eine spannende Frage, die ich gerne gleich in der Pause oder nach der Veranstaltung persönlich mit Ihnen diskutieren möchte“. Sie wirken damit zudem als Lösungsanbieter.

zu 2: Nur anzuraten, wenn Sie das Thema, auf die sich die Frage bezieht, zuvor nicht zu Ihrer Kernkompetenz erklärt haben (dann wirken Sie wie ein Prahlhans oder Idiot): „Diese Frage ist mir bisher nicht begegnet, darüber muss ich einen Augenblick nachdenken und in meine Unterlagen schauen. Ich komme dann direkt auf Sie zu!“ Wenn Sie sehr sicher sind, zu den anderen gewandt:“ Man kann noch so erfahren sein, immer begegnen einem neue Fragen und man lernt nie aus!“

Müssen muss man nicht

Wirkung:

Ein absolutes „Muss“ muss (!) man vermeiden. Warum? Das Wort signalisiert Negatives nach innen und außen und wirkt häufig demotivierend. Denn keiner muss etwas müssen. Wir wollen selbstbestimmt arbeiten und leben. Ein „MUSS“ erzeugt beim Gegenüber das Gefühl der Fremdbestimmtheit und erzeugt innerlich die Reaktionen Widerstand und Unbehagen. Schätzen Sie sich glücklich, wenn Ihr Gegenüber direkt sagt: „Ich muss gar nichts!“ Dann wissen Sie direkt, was Sie mit Ihrem Wort ausgelöst haben.

Gegenstrategie:

Lassen Sie Ihrem Gegenüber gedanklich Freiheit für sein Handeln. „Bitte kümmern Sie sich in den nächsten Wochen intensiv um diesen Auftrag. Das hat eine hohe Wichtigkeit.“ Inhaltlich ist das dasgleiche, wie „Darum müssen Sie sich unbedingt kümmern. Das hat hohe Wichtigkeit!“ Das Wort „Kümmern“ lässt aber einen persönlichen Freiraum und nimmt Ihr Gegenüber mit.

Problembär

Wirkung:

„Hier sehe ich ein Problem…“ könnte für Sie zu einem werden. Wer überall Probleme sieht – auch wenn nur sprachlich – beschwört sie manchmal selbst herbei und ist nicht gerne als Gesprächspartner gesehen. Wer negative Worte (Besipiel: Problem) häufig verwendet, sendet das Signal, dass er andere wahrscheinlich auch selbst nur schlecht motivieren, führen und überzeugen kann. Denn schlecht reden und nur Hindernisse sehen, kann wahrlich jeder. Wir selbst umgeben uns lieber mit Menschen, die Zuversicht ausstrahlen, zu motivieren wissen, positives Vorbild sind und Ergebnisse präsentieren.

Gegenstrategie:

Denken Sie in Szenarien und weisen Sie professionell auf mögliche Risiken hin. Regen Sie Lösungen an, hören Sie dabei auch Ihrem Gegenüber gut zu. Das zeigt Wertschätzung und Respekt, zudem Lösungsorientierung und Erfahrung im Umgang mit Herausforderungen und Neuem. Damit werden Sie zu einem geschätzten und geachteten Gesprächspartner.
 
Die richtigen Worte bedeuten übrigens nicht, dass Sie andere manipulieren, sondern signalisieren Ihre persönliche Einstellung und Haltung.

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  1. Jörg Unkrig sagt:

    Gab es Worte, die schon einmal für Sie negativ oder ein Karrierekiller waren? Haben Sie Beispiele aus dem Bekanntenkreis oder aus dem Beruf?

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