Führung selbst aktiv gestalten

erstellt am: 12.12.2016 | von: Jörg Unkrig

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Führung oder manche sagen lieber „Leadership“ bedeutet in jedem Fall eins: Man muss als Führungskraft selbst aktiv werden und Verantwortung übernehmen.

Ich habe die Führungsgrundsätze von Martin Viessmann auf www.impluse.de gelesen und fand sie für ihn und seinen Bereich richtig und nachvollziehbar. Für mich möchte ich sie aber ein wenig weiter auslegen und ergänzen.
Folgende Führungsprinzipien helfen Ihnen dabei, eine gute Führungskraft zu sein:

1. Offenheit durch kollegiale Beratung

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung“, hat Antoine de Saint-Exupéry geschrieben. Nicht immer ist die eigene Perspektive die richtige, um seine Ziele zu erreichen. Das ist oft im wahrsten Sinne des Wortes zu „eindimensional“. Man muss als Führungskraft bereit und in der Lage sein, Meinungen anderer auf- und anzunehmen und auch anerkennen können, wenn diese Meinung besser ist, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Ich nenne das kollegiale Beratung. Kommunikation ist auch hier der Schlüssel zu den Mitarbeitern. Wer diese Offenheit in der Kommunikation nicht besitzt und auf andere nicht zugehen kann, wird auf immer gleichen Pfaden wandeln und sich keine neuen Ziele stecken.

2. Wandlungsfähigkeit durch Flexibilität

Wandlungsfähigkeit, oder ich würde eher Flexibilität sagen, schließt sich unmittelbar an Offenheit durch kollegiale Beratung an. Wer sich als Führungskraft nicht ändern kann oder will, sich nicht flexibel auf neue Anforderungen einstellen kann oder will, wird neuen Herausforderungen nicht gewachsen sein und Aufgaben nicht bestehen können. Eine flexibler Geist, der Neues auf- und annimmt, zeichnet die Chefs der Zukunft aus. Das erfordert natürlich auch, dass man dazu in der Lage ist und über entsprechende soziale Kompetenzen verfügt.

3. Akribie durch Vorbereitung

Wenn Sie etwas machen, dann richtig und mit Leidenschaft. Es gibt kaum Schlimmeres als „In der Sache xy bin ich leidenschaftslos!“ Seien Sie mit Eifer und Leidenschaft bei der Sache. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und seien Sie Vorbild. Lesen Sie sich in neue Aufgaben ein, bereiten Sie Besprechungen, Meetings und auch Jubiläen immer sorgfältigst vor oder lassen Sie sich entsprechend informieren. Investieren Sie ausreichend Zeit in die Planung und Vorbereitung, so wird man Sie immer auf dem richtigen Fuß erwischen.

4. Teamwork durch professionelle Einbindung

Ein Chef sollte immer eine gute Mannschaft hinter sich haben. Und das sollten nicht nur „Ja-Sager“ sein. Durch die Einbeziehung Ihrer Mitarbeiter zollen Sie diesen Wertschätzung und Anerkennung. Nur wenige Entscheidungen müssen ausschließlich von oben oder nur durch Sie persönlich gefällt werden, sondern viele Entscheidungen kann man im Team von Führungskräften treffen und dadurch auch zusätzlich absichern. Geben Sie die Ziele vor, lassen Sie Ihren Mitarbeitern aber – soweit wie möglich – die Freiheit selbst zu entscheiden, wie die Ziele erreicht werden sollen.

5. Streben nach Perfektion durch Qualitätsmanagement

Nach Martin Viessmann, „ist das Streben nach Perfektion zu einem Teil der DNA des Unternehmens geworden. Die Mitarbeiter haben das verinnerlicht. Ihre Verbesserungsvorschläge fließen kontinuierlich in den Produktionsprozess ein“.
Das ist ein gelebtes Qualitätsmanagement, das fest in der Unternehmenskultur verankert ist. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran: Befähigen Sie Ihre Mitarbeiter auf Qualität Ihrer Produkte zu achten. Das geht tatsächlich bei jedem Produkt. Jeder kann hierfür Verantwortung übernehmen und sich einbringen. Beim Chemiegiganten Bayer Leverkusen fühlen sich die Mitarbeiter als Teil einer großen Familie und sind stolz auf die Produkte und ihre Qualität.

6. Fehlerkultur durch Fehler

Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter Fehler einzuräumen, wenn sie denn passiert sind, und frei und offen intern darüber zu sprechen. Bauen Sie nach gravierenden Fehlern Nachbesprechungen ein, damit alle aus dem passierten Fehler lernen können. Nur so ist garantiert, dass sich Fehler nicht wiederholen. Piloten haben eine hohe und gute Fehlerkultur, Ärzte zumeist leider nicht. Während die einen Fehler bewusst intensiv nachbereiten und daraus lernen, vertuschen die anderen Fehler tendenziell eher.

7. Das bestmögliche Arbeitsumfeld schaffen durch Freiheit und Autonomie

Das brauchen keine bunten Schraubenzieher zu sein, sondern Ihre Mitarbeiter müssen Freiheiten haben und: Ihr Vertrauen. Daraus kann sich Kreativität, Innovation und Motivation entwickeln und wachsen. Jeder Mensch bedarf einer gewissen Freiheit und auch Autonomie. Jeder möchte in Teilen selbstbestimmt leben und auch arbeiten können. Das Gefühl der Selbstbestimmtheit beflügelt und schützt vor Demotivation und Krankheit, insbesondere Burnout.

8. Verlässlichkeit in Wort und Tat

– Last but not least –
Ihre Mitarbeiter müssen sich auf Ihr Wort verlassen können. Immer. Jederzeit.
Ich erlebe selbst oft, dass durch Führungskräfte Versprechungen gemacht werden, die sie selbst aber gar nicht einhalten können, weil ihnen dazu die entsprechenden Befugnisse und Kompetenzen fehlen. Es scheint trotzdem unter Chefs sehr verlockend zu sein, eine Beförderung, eine Besserstellung, eine neue Stellung oder andere Privilegien in Aussicht zu stellen, ohne diese aber tatsächlich garantieren zu können. Führungskräfte streben mit einem solchen Verhalten bewusst oder unbewusst nach Anerkennung ihrer (vermeintlichen) (Macht)Position. „Schau her, was ich kann!“
Kommt es aber im Nachgang nicht zum Einlösen solcher Versprechen, schadet die Führungskraft nicht nur sich selbst, sondern dem Ruf aller Führungskräfte im Unternehmen. „Der hält sich nicht an sein Wort!“ wird dann schnell auf die gesamte Führungsriege übertragen. Seien Sie deshalb absolut verlässlich in dem, was Sie sagen und auch in dem, was Sie tun. Man wird Sie genau daran messen.


Geben Sie dem Wort Führung eine ganz besondere Bedeutung und übernehmen Sie persönlich Verantwortung für sich und Ihre Führung, aber auch für die Aufgaben und besonders für die Ihnen anvertrauten Mitarbeiter.

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  1. Jörg Unkrig sagt:

    Welche Führungsgrundsätze sind für Sie wichtig? Wonach und wofür leben Sie?

  2. Lieber Herr Unkrig, besonders der letzte Punkt hat es mir angetan. Da hapert es für mich am häufigsten. Das nennt man dann wohl „Worten auch Taten folgen lassen“. Damit einher geht für mich direkt der Begriff Authentizität. Nur das was ich selbst auch vorlebe, kann ich anderen vermitteln und Mitarbeiter messen Führungskräfte genau daran. Viele Grüße Cornelia Bohlen

    1. Hallo Frau Bohlen,

      da stimme ich zu.
      Worte sind Zwerge, Taten Riesen.
      Oft wird viel versprochen, aber nur wenig gehalten. Damit verprellt man seine Mitarbeiter, wird unglaubwürdig und von Verlässlichkeit – die man ja auch von seinen Mitarbeitern erwartet – keine Spur. Und man bringt ein ganzen „Berufsstand“ in Verruf: Chefs.
      Es geht immer auch um die konkrete Persönlichkeitskompetenz.
      Erlebe in Führungskräfte-Sparrings, dass Chefs Erwartungen an Mitarbeiter äußern und haben, die sie selbst aber nicht entgegen bringen wollen oder nicht dazu imstande sind.

      Wir bleiben auf jeden Fall dran, oder?

      BG
      Jörg

  3. Gregor Heise sagt:

    Ich finde diese Grundsätze empfehlenswert!
    Besonders den Punkt „Verlässlichkeit“ den ich noch durch „Vorbild“ ergänzen würde.
    Den Punkt „Perfektion“ würde ich allerdings abändern in Richtung „Sein Bestes geben“. Perfektionsstreben empfinde ich als einengend – das Motto „Ich gebe täglich mein Bestes“ gefiele mir da besser und zielt auf eine Haltung ab.

    Danke für diesen Artikel!

    1. Jörg Unkrig sagt:

      Hallo Herr Heise,

      Vielen Dank für Ihre Ergänzungen. Vorbild finde ich bei Führung in der Tat sehr wichtig. Chefs sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein bzw. werden.

      Auch zu Perfektion kann ich ihren Standpunkt nachvollziehen. Mein Führungsgrundsatz Perfektion hängt besonders hoch und soll auch das Streben danach darstellen.

      Zu Verlässlichkeit sehe ich aktuell immer wieder eine Diskrepanz zwischen eigenem Anspruch, Wirklichkeit und Umsetzung.
      Führungskräfte müssen sich sich an ihren Taten messen lassen.

      BG
      Jörg Unkrig

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